Vielleicht brauchen wir ein bisschen mehr Dolly Parton in unserer Antidiskriminierungs- und Demokratiearbeit?!
Vielleicht brauchen wir gerade ein bisschen mehr Dolly Parton.
Ja, der Gedanke klingt zunächst ungewöhnlich. Aber gebt uns eine Chance.
In den vergangenen Wochen waren wir viel unterwegs. Wir haben Gespräche geführt, Menschen kennengelernt, Netzwerke geknüpft, Aktionen durchgeführt und immer wieder darüber gesprochen, was eine demokratische Zivilgesellschaft gerade braucht. Und auch darüber, wie Antidiskriminierungsarbeit weiter vertieft und dauerhaft verankert werden kann. Nach den jüngsten Wahlen bleibt bei uns dabei vor allem eine Frage hängen:
Reicht es noch, Haltung zu zeigen?
Melissa Bradley hat in einem bemerkenswerten Text über Dolly Parton einen Gedanken formuliert, der uns nicht mehr loslässt.
Dolly Parton ist dabei nicht deshalb interessant, weil sie „nett zu allen“ war oder Konflikten aus dem Weg gegangen wäre.
Im Gegenteil.
Sie hatte Zugang zu Menschen, die viele progressive Stimmen kaum erreichten – und sie blieb mit ihnen im Raum. Sie gab diesen Raum nicht auf. Aber sie gab dafür auch ihre eigene Haltung nicht auf.
Und vor allem: Sie beließ es nicht bei Haltung.
Sie bewegte Ressourcen.
Sie baute Strukturen.
Sie finanzierte.
Sie öffnete Zugänge.
Und sie war bereit, Dinge zu verändern, wenn sie dazugelernt hatte.
„When you know better, you should do better.“
Vielleicht ist das gerade eine der wichtigsten Lektionen für demokratische Arbeit.
Wir brauchen nicht nur mehr Statements gegen Hass, Diskriminierung und Rechtsextremismus.
Wir brauchen Strategien.
Wie erreichen wir Menschen außerhalb unserer eigenen Bubble?
Wie bleiben wir im Gespräch, ohne menschenfeindliche Positionen zu normalisieren?
Wie nutzen wir unsere Netzwerke, Räume, Geld, Wissen und Reichweite tatsächlich?
Wie schaffen wir Strukturen, die auch dann wirken, wenn gerade niemand darüber postet?
Und vielleicht am wichtigsten:
Was setzen wir von dem ein, was wir selbst haben?
Zeit.
Kontakte.
Räume.
Wissen.
Einfluss.
Geld.
Vertrauen.
Bradley nennt Dolly Parton dabei nicht einfach eine „Ally“. Sie beschreibt vielmehr eine Haltung, die sinngemäß bedeutet: Nicht nur solidarisch sein, sondern etwas Eigenes hinter eine Sache stellen.
Diesen Gedanken finden wir spannend.
Denn demokratische Arbeit und Antidiskriminierungsarbeit dürfen nicht bei der richtigen Meinung enden.
Haltung braucht Handlung.
Netzwerke brauchen Wirkung.
Und Wissen muss irgendwann verändern, was wir tun.
Es reicht nicht, Wissen zu sammeln oder sichtbar vor sich herzutragen. Entscheidend ist, was daraus entsteht.
Vielleicht ist genau das die Frage, die wir uns als demokratische Zivilgesellschaft gerade häufiger stellen sollten: Nicht nur Wofür stehen wir?, sondern auch Was sind wir bereit, dafür einzusetzen?
Danke an Melissa Bradley für diesen Gedankenanstoß über Dolly Parton.
Und vielleicht ist das unser kleiner Dolly-Parton-Move für die kommenden Monate:



